Digsby – Instant Messaging, Emails und Web2.0

10. April 2009 |  by Jack  |  Netzwelt, Tools  | 

Jahrelang fragt man sich warum eigentlich noch keiner auf die Idee kam alle wichtigen sozialen Dienste in ein Programm zu packen. Zwar gibt es bspw. Pidgin oder Trillian, doch diese vereinigen nur die unzählbaren Instant Messaging Dienste (=IM) unter einem Dach. Aber ein einziges Tool für IM, Email und die wichtigsten sozialen Netzwerke, das wäre wirklich extrem praktisch und würde einen Haufen Zeit sparen beim täglichen Spaziergang im Web. Bekommt man doch langsam aber sicher nen Nervenzusammenbruch alle “social networks”, die einem nur zu gerne die Zeit fürs richtige Leben rauben, im Blick zu behalten. Sprich, man bekommt Nachrichten, Gästebucheinträge, Links, Fotos, etc. per Email, über Facebook, Twitter, ICQ, Google Talk und weiß Gott noch was alles. Natürlich kann man über jeden einzelnen Dienst chatten, so dass man bald nicht mehr weiß wann und wo man mit wem und über was gesprochen hat. Dann kommt noch der soziale Aspekt mit ins Spiel. Denn nicht zuletzt versucht man jeden einzelnen Account mit Leben zu füllen und aktuell zu halten. Und diese ganze Chose hat mich in letzter Zeit gewaltig genervt. Versucht man andererseits sich von dem einen oder anderen Dienst zu trennen, hat man sofort ein andauerndes Gefühl virtueller Nacktheit (StudiVZ mal ausgenommen – scheiß Verein). Also, was tun?

Simple Antwort: Digsby nehmen, das Ding kann alles und mehr. Ich habs jetzt seit ein paar Monaten am laufen und möchte es nicht mehr missen. Ursprünglich wollte ich schon die IM-Dienste einstampfen, bei denen ich am wenigsten Freunde habe. Zudem mag ich es einfach nicht nen Haufen Chat-Programme im Hintergrund am laufen zu haben nur weil drei Freunde bei dem Dienst sind, vier bei dem, einer dort etc. Da bin ich durchaus eigen aber ein Programm für VOIP, in Form von Skype und ein anderes für die restlichen Dienste muss reichen, sonst dreh ich durch, bei all der Ablenkung und kann mein Studium an den Nagel hängen. ;)

Digsby unterstützt sämtliche großen IM Dienste die es aktuell gibt bzw. die ich kenne. Zudem kann man Email Konten einbinden (pop oder imap) und die sehr populären sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und MySpace. Damit deckt man fast jegliche online Aktivität ab. Jedes mal wenn man eine Nachricht bekommt egal ob Chat, Email oder bspw. Facebook erscheint eine kleine Meldung am unter Bildschirmrand (wo genau bestimmt man in den umfangreichen Optionen), egal welche Anwendung nebenbei gerade läuft. Wie sich das beim Zocken eines Spiels verhält, habe ich zugegebenermaßen noch nicht ausprobiert. Das tolle ist, dass man mit einem Klick auf die Meldung einen neuen Chat eröffnet, direkt in der Meldung antworten kann, zu einer neuen Email weitergeleitet wird oder bspw. eine neue Meldung bei Twitter abrufen kann. Alles direkt neben dem Surfen ohne das Fenster wechseln zu müssen. Die Funktionen für Facebook oder Twitter entsprechen denen anderen Tools (Favoriten, Replies, Pokes, Veranstaltungen und so weiter und so fort). Wie auch bei Trillian kann man Digsby an den Rand des Bildschirms verbannen oder per automatischer Versteckfunktion komplett verschwinden lassen. Dann blendet sich die Kontaktleiste nur ein, wenn man mit der Maus an den Rand des Bildschirms fährt. Für mich eine Offenbarung und echte Zeitersparnis.

Jetzt zu den Dingen, die mir weniger gut gefallen haben und teilweise ziemlich dreist sind. Gleich bei der Installation werden einem fünf Programme von Sponsoren aufgedrängt, die man bei achtlosem “Durchklicken” der Installationsroutine schnell auf dem Rechner hat. Das nervt nicht nur sondern ist mehr als frech und hinterlässt einen faden Beigeschmack. Nächster Minuspunkt ist, dass man sich ein extra Konto für Digsby zulegen muss. Warum weiß ich bis heute nicht. Aber gut eins mehr macht den Braten auch nicht mehr fett. Zu guter letzt der Gipfel der Frechheit: Die eigene Rechenleistung wird, ohne dass man gesondert darauf aufmerksam gemacht wird Sponsoren zur Verfügung gestellt, sobald der eigene Rechner in den “idle mode” geht. Diese Option kann man zwar ganz leicht abstellen aber dass diese Tatsache einfach so unter den Tisch gekehrt wird (ich dachte zuerst es wäre nen Virus) und der Nutzer keinerlei Hinweise erhält, dass diese Option standardmäßig aktiviert ist, kann man nur als Kundenverarsche bezeichnen.

Trotz allem ist Digsby, nach Ausräumung der genannten Dreistigkeiten, ein tolles Programm, dass ich jedem Internetabhängigen wie ich einer bin, guten Gewissens empfehlen kann. Man merkt erst nach ein paar Wochen wie angenehm dieses Helferlein das Leben im Netz macht, wenn an einem öffentlichen oder fremden Rechner sitzt und auf die kleinen Annehmlichkeiten verzichten muss. Oder an der Tatsache, dass ich hier einen dermaßen langen Beitrag verfasst habe, der vor Lob nur so trifft. :)

 

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