Die Wahl zur Miss Landmine

5. August 2009 |  von Jack  |  Share | 

Was heutzutage alles als Kunst durchgeht, dass ist schon lange nicht mehr jedermanns Geschmack. Als ich allerdings heute die Zeitung aufschlug und den Titel “Ein ethisches Minenfeld” las, war ich zugegebenermaßen erst mal baff. Schockiert nicht dafür hat man in der Generation 2.0 fast schon alles gesehen. Einfach nur baff und einmal mehr belehrt worden, dass es noch Dinge gibt, mit denen man einfach nicht rechnen kann. Zwar denke ich jedesmal nachdem mir eine weiter Kuriosität bekannt ist “jetzt hast du aber wirklich alles gesehen” oder “das kann nichts mehr toppen”, doch denkste. Weit gefehlt.

Da gibt es doch tatsächlich eine Misswahl, die einem als Mann noch unbekannt ist. Nicht irgendeine gewöhnliche, nein die Wahl zur “Miss Landmine”. Richtig gehört, ein Schönheitswettbewerb namens “Miss Landmine”. Die Teilnehmerinnen sind allesamt durch Minen verstümmelt worden und haben in den meisten Fällen nur noch ein Bein. Die Veranstalter aus Norwegen, die letztes Jahr sogar noch die EU(!) als offiziellen Partner hatten, geben an, vor allem das Selbstbewusstsein der Frauen stärken und auf das Problem der Landminen an sich aufmerksam machen zu wollen. Sozusagen das Bewusstsein der Öffentlichkeit durch einen Schocker zu schärfen. Das wäre an und für sich ja ein edles Motiv, nur kann ich das in Anbetracht der Tatsache, dass die kommerzielle Vermarktung offenbar im Vordergrund steht, nur als vorgeschoben bezeichnen. So kann man neben den Fotos der Teilnehmerinnen auch Hersteller und Preise der getragenen Kleider und des Schmucks auf der Homepage einsehen. Warum Teilnehmerinnen mit einem Spielzeugmaschinengewehr abgelichtet werden (oder warum die das mit sich machen lassen) bleibt mir auch ein Rätsel. Passt irgendwie nicht, wenn einem durch eine andere Waffe dass Leben verpfuscht wurde. Und das sage ich wohlgemerkt als Fan von jeglicher Waffentechnik. Aber das ist nicht mein Bier. In jedem Fall ein fader Beigeschmack bei einer angeblichen künstlerischen und humanitären Aktion. Denn wäre es nicht besser jeder Miss eine Prothese anzufertigen? Aber was weiß ich schon von Kunst…

Der Gewinnerin winkt im Übrigen eine maßgefertigte Prothese und 1600.- Preisgeld, die anderen gehen leer aus. Dann mal viel Glück bei diesem Schönheitswettbewerb der etwas anderen Art an alle Teilnehmerinnen.

Nachtrag: Die Regierung in Kambodscha stoppt die Wahl zur Miss Landmine. Siehe dieser SPON-Artikel.

Über den Autor

Jack ist aktuell Student der Nachrichtentechnik an der Hochschule in Ulm. Er begeistert sich für jede Art von technischer Spielerei und ist ein Internet- sowie Informationsjunkie. In seiner Freizeit fotografiert er gerne, twittert und hält sich nächtelang bei Facebook auf. Mehr...

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2 Kommentare


  1. Nun das liegt doch aber auch an den Frauen die sowas mitmachen. Wenn sich keiner dieser Frauen für einen solchen Wettbewerb melden würde, würde diese Veranstaltung nicht statt finden.

    Auf der anderen Seite glaube ich aber schon das es den Frauen auch mehr Selbstvertrauen geben kann, wenn sie sehen das sie auch mit ihrer Behinderung noch als eine schöne Frau empfunden werden. Ich glaube um sich hier ein genaues Bild machen zu können, müsste man wissen was die Teilnehmerinnen über den Wettbewerb denken.

    Lieben Gruß
    Sven

  2. Nun der Hauptgrund wird in meinen Augen und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Preisgeld sein (stellt bestimmt en nettes Sümmchen in diesen Ländern dar) und die maßgefertigte Prothese. Vor allen anderen Dingen wie den menschlichen Aspekten. Das wird für viele der größte Anreiz sein. Denke nicht, dass man dort mit einem Bein so leicht Arbeit findet oder Geld für eine gute somit aber auch teure Prothese hat.

    Du hast aber natürlich Recht in die Köpfe der Teilnehmerinnen kann man nicht rein schauen. Komisch finde ich das Ganze dennoch allemal.

    Viele Grüße
    Jakob

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